Könnt ihr euch noch erinnern?

Wißt ihr noch damals. Da hat man den Kaffee an der Imbisbude aus Porzellanbechern getrunken. Heute heißt es nur noch „Coffee to go“ und co. Jeder Zweite hat dann diesen „umweltfreundlichen“ Becher in der Hand, nippt ab und an nervös daran. Auf mich wirkt das nach außen wie, seht her, ich habe keine 5 Minuten, um meinen Kaffee direkt an der Theke zu drinken, denn ich bin wichtig. Ich intepretiere das als ein sehr interessantes Herdentriebsphänomen.
Ein anderes interessantes Phänomen ist das laute öffentliche Telefonieren mit dem Handy. Mir war das noch nie aufgefallen, bis ich einmal einen Artikel in der FAZ zu diesem Thema las. Darin beschrieb der Autor, dass durch das Mobiltelefon ein Teil der Privatsphäre auf der Strecke bleibt. Ich kann nun meine Frau verstehen, dass sie sich am Telefon etwas anders verhält wenn sie mit mir telefoniert, wenn Leute um sie herumstehen, als wenn sie allein irgendwo in einem Zimmer ist. Das Respektieren der Intimsphäre des Menschen gerät manchmal immer mehr in den Hintergrund. Dazu kann ich sogar über ein witziges Beispiel berichten. Ich saß im Zug nach München und hiner mir saß eine Frau, die ca. 20 minuten mit ihrem Mann oder Freund telefoniert, welchen Ikea Tisch sie denn nun kaufen sollten. Während des Gespräches war jedes Wort deutlich zu hören (hurra, ich bin nicht der einzige, der in den Hörer brüllt). Ich hätte mich am liebsten nach dem Gespräch zu ihr herum gedreht und gesagt, egal ob sie eine Flat haben oder nicht, aber in der Zeit haben sie sicher den Tisch gerade vertelefoniert. 🙂 Wohlbemerkt es ging um einen Tisch in der Preiskategorie 20 – 50 Euro.
Interessant finde ich auch, dass viele Menschen, mich eingeschlossen, beim Telefonieren hin- und herlaufen. Erklären kann ich mir dieses Verhalten leider nicht. Vielleicht wißt ihr, liebe Leser, ja mehr darüber.

P.S. Irgendwie beschleicht mich das Gefühl meine pendelnde Tätigkeit bringt eine voyeuristische Ader in mir zum Vorschein.

2 Kommentare


  1. //

    Dazu habe ich auch eine kleine Anekdote:
    Hier in Lima steigen regelmäßig Musiker, Verkäufer oder Bettler in den Bus um Geld zu verdienen. Ein Mal fing allerdings im Bus jemand lautstark an zu telefonieren, das ist normal, aber hier ist es meistens so leise(oder die umgebenden Geräusche so laut), dass man das überhören kann. Dieser Typ redete allerdings so laut, dass es für den gesamten Bus unmöglich war, ihn zu überhören. Nach einem satz war klar, dass er mit seiner Freundin telefonierte, im nächsten Satz wurde klar, dass es nicht seine Freundin war, sondern sein Freund. Nach ein paar Sätzen mehr wurde mir dann klar, dass er gar nicht telefonierte, sondern, dass es ein Komiker war, der sich damit seinen Lebensunterhalt verdiente. Seine „Show“ war sehr witzig, ich bin mir sicher, dass alle dabei was zu lachen hatten…


  2. //

    OHja, dass kenn ich nur zugut!
    stundenlange Telefonate in Zügen.

    Kategorie A) aufm Sitz bleiben und allen um sich herum an den Gespräch teilhaben lassen, egal wie intim

    Kategorie B) aufm Sitz bleiben und flüstern (aktzeptabel)

    Kategorie C) Waggonzwischenräume (also der bereich zwischen den Großräumem im ICE, wo die Türen sind) aufsuchen und da auf und ab laufen und dabei telefonieren.

    ich persönlich zähl mich zu letzteren..
    warum ich dahin gehe? um niemanden zu stören (der gute alte Zugschlaf) warum ich auf und ab gehe? keine ahnung…
    Reflex?

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